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Literatur-Stübchen

Alexandre Dumas

Da ich ja im Moment in Frankreich residiere, wollte ich mich auch etwas mit der franz?sischen Literatur auseinandersetzen, jedoch nicht gerade bei den trockensten St?cken anfangen. F?r was habe ich mich wohl schlussendlich entschieden?

Alexandre Dumas "Les trois mousquetaires" (Die drei Musketiere)

Zuerst war ich mir sicher, dass ich mich dazu zwingen m?sse, das Buch zu lesen, denn ich habe mir den Anspruch des auf Franz?sischlesens eher als Lernzweck anstatt von richtigem Lesespass vorgestellt. Doch weit gefehlt!
"Les trois mousquetaires" hat sich als ?beraus spannende, kurzweilige und lustige Lekt?re erwiesen und ich bin mittlerweile richtig im Musketier-Fieber. Dumas ging den Weg des Pioniers mit diesen B?chern, denn sie geh?ren zu der ersten Generation des Buches in Romanform (1844 publiziert), anstatt der bisher gel?ufigeren Theaterst?cken. Dumas selber war zuerst Theaterautor, und das zeigt sich ausgepr?gt in seinem Schreibstil. Es kommen viele Dialoge vor, die sich rasant abwechseln und die Spannung enorm steigern.

Die Handlung ist schnell erz?hlt und wohl jedes Kind kennt den groben Umriss dieser Geschichte: Frankreich im 17. Jahrhundert unter Louis XIII, Anne d'Autriche und Kardinal Richelieu.Der junge Landadlige d'Artagnan kommt von der Gascogne nach Paris, um dort Musketier des K?nigs zu werden. Gleich am ersten Tag st?sst er den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis vor den Kopf, die ihn alle zum Duell herausfordern. Das Duell kommt nicht zustande, weil sie von den feindlichen Kardinalisten unterbrochen werden und sich d'Artagnan unvermutet auf die Seite der Musketiere stellt. Die vier M?nner schliessen eine Freundschaft, die sie f?r immer verbinden sollte. Von nun an handeln sie vor allem im Auftrag der K?nigin, die sie auf gef?hrliche Missionen schickt und der sie treustens ergeben sind.
Die Antagonistin des Romanes heisst Milady und h?ngt mit der Vergangenheit des einen Musketiers zusammen, eine grausame Frau, die im Dienst des Kardinals steht, jedoch auch selber einige F?den in der Hand h?lt.

Spannend sind vor allem auch die Protagonisten selber, denn vier verschiedenere M?nner h?tte Dumas wohl kaum zusammenf?hren k?nnen:
Zuerst ist da nat?rlich d'Artagnan. Am Anfang des Romanes ist er noch nicht einmal zwanzig und kommt aus einer verarmten Adelsfamilie aus der Gascogne. Er ist hitzk?pfig, schnell reizbar, ambiti?s, doch auf der anderen Seite auch sehr erfinderisch und von einem lebhaften Geist. Sein Vater war Musketier und hat ihm nun aufgetragen, es ihm gleichzutun.
Von den eigentlichen Musketieren steht Athos d'Artagnan am n?chsten. Er ist der Aelteste der Gruppe, am Anfang des Romanes Ende Zwanzig. Er ist offensichtlich vom hohen Adel, obwohl er als einfacher Musketier dient, und ist von sehr ruhiger und ?berlegter Art. Die Ausgelassenheit seiner Kameraden teilt er meistens nicht, denn in seiner Vergangenheit liegt ein d?steres Geheimnis, das niemand kennt. Dazu kann er trinken wie kein zweiter, ohne jemals etwas ?ber sich preiszugeben ("Es trinkt der Herr, es s?uft das Pferd - bei Athos ist es umgekehrt!")
Dann gibt es noch Porthos, ein b?renhafter H?ne, der gerne Baron w?re, jedoch nicht allzu intelligent ist. Er ist ?beraus treu, gutm?tig und mitf?hlend und unterst?tzt seine Freunde in jeder Hinsicht. Er ist etwa 24 Jahre alt.
Der letzte Musketier ist Aramis. Er wurde in einem Kloster erzogen und ist von ?usserst religi?ser Natur. Auch er ist etwa 24-j?hrig und betont immer, dass er den Beruf des Musketiers nur als Uebergang gew?hlt hat und dass er sp?ter einmal Abt werden will. Er ist ein wundersch?ner J?ngling von gepflegtem Aeusseren und einer sanften Stimme. Tja, er w?re wohl ein guter Abt, w?ren da nicht die vielen Frauengeschichten...

Die Hauptthemen des ersten Romans sind schnell genannt: Freundschaft, Jugend, Frauen, Wein und Abenteuer. Ganz nach dem Motto "Tous pour un, un pour tous!"
Die Fortsetzungen werden dann komplexer, da sich mehr und mehr der Standesunterschied und die Unzufriedenheit des Volkes gegen?ber der Monarchie in den Vordergrund schiebt.

Im Moment bin ich gerade an der Fortsetzung, denn insgesamt gibt es drei Romane mit d'Artagnan als Held: "Les trois mousquetaires", "Vingt ans apr?s" und "Le Vicomte de Bragelonne". Ich bin jetzt beim zweiten Band. Jeder Band hat etwa 900 Seiten, doch sie lesen sich wirklich sehr schnell.

Bekannt sind auch die vielen Verfilmungen. Ich selber kenne nur "The Three Musketeers" (Disney, 1993) und "The Man in the Iron Mask" (1998) und beide Filme sind nicht schlecht, wobei aber ersterer sich ?berhaupt nicht an Dumas' Roman h?lt und der zweite erst den letzten Band anspricht.

So, und jetzt ratet mal welchen Musketier ich am meisten mag...
21.11.05 21:59


Dan Brown - "The Da Vinci Code" (Sakrileg) & "Angels and Demons" (Illuminati)

Wer hat nicht bereits von Dan Brown und seinen zwei ber?hmtesten Werken "Sakrileg" und "Illuminati" geh?rt?

Seit die B?cher ?berall im Stauffacher und im Loeb ausgestellt waren, wusste ich, dass an den zwei B?nden etwas dran sein muss. Als dann sogar der Kardinal und Erzbischof von Genua dazu aufrief, Browns B?cher wie "verrottetes Essen" zu meiden ("Cardinal Bertone has urged Catholics on to shun the book like "rotten food" and branded it as "lies". Quelle ), da war nat?rlich mein Interesse umso mehr geweckt. Leider durfte ich zu dieser Zeit die Werke noch nicht lesen, da ich mitten im Lesefluss der Maturab?cher war und mich auf Schiller und Lessing konzentrieren musste. Jedoch nahm ich mir vor, die B?cher sobald als m?glich nach der Matura zu lesen..

Nun, es hat jetzt doch noch etwas l?nger gedauert. Ich habe die Zeit jedoch aufgeholt und nur rekordverd?chtige acht Tage f?r die mehr als tausend Seiten gebraucht, w?hrend der normalen Arbeitswoche, mit einem 10-Stunden Tag versteht sich. Okay, ich gebe es zu, ich hab das Wochenende durchgelesen... Aber es war einfach verdammt spannend!

Wer den groben Inhalt der zwei B?cher nicht kennt, hier eine kurze Zusammenfassung:

"Angels and Demons" (Illuminati): Als ein merkw?rdiger Mord in einem grossen Schweizer Wissenschaftslabor geschieht, wird Robert Langdon eingeflogen, um Licht in die Sache zu bringen. Langdon ist ein amerikanischer Harvard-Professor f?r Religion und Kunstgeschichte, mit dem Schwerpunkt auf Symbologie. Der Mord wird mit der l?ngst tot geglaubten, der Wissenschaft huldigenden Bruderschaft der Illuminaten in Verbindung gebracht. Es stellt sich heraus, dass ein Kanister mit hochgef?hrlichem Sprengstoff gestohlen wurde, der noch am gleichen Tag im Vatikan auftaucht, wo gerade die Konklave stattfindet um einen neuen Papst zu bestimmen.
Landon reist also zusammen mit der Tochter des ermordeten Wissenschaftler nach Rom, wo er immer mehr in die sich ?berschlagenden Ereignisse im Vatikan hineingezogen wird...

"The Da Vinci Code" (Sakrileg): Ein Jahr nach seinem Abenteuer in Rom wird Robert Langdon erneut als Hilfe f?r die Aufkl?rung eines Mordes gerufen. Dieses Mal wurde der Direktor des Louvre in Paris ermordet aufgefunden, mit grotesken Mustern auf seinem K?rper. Es stellt sich heraus, dass er das letzte Mitglied einer Bruderschaft war, der bereits Leonardo da Vinci, Isaac Newton und Botticelli angeh?rten. Ungl?cklicherweise hinterliess der Ermordete Hinweise, welche Langdon zu einem Verd?chtigen machen. Gemeinsam mit der Enkelin des Verstorbenen flieht Langdon vor der Polizei um gleichzeitig die L?sung zu den R?tseln zu finden die der tote Direktor aufgegeben hat. Wie eine Schnitzeljagd f?hren die Anhaltspunkte Langdon durch ganz Paris und schlussendlich nach London...


Meine Meinung:

Bereits anhand dieser beiden Beschreibungen l?sst sich erkennen: Dan Brown wiederholt sich gerne, wenn es um den groben Umriss der Geschichten geht. Beide Male ist eine geheime Bruderschaft involviert, beide Male ist ein merkw?rdiger Mord der Ausgangspunkt und beide Male ist Langdons Gehilfin eine ebenso intelligente, wie sch?ne, wie mutige junge Frau, mit der er am Ende ins Bett h?pft.
Nun, klingt ziemlich einf?ltig. Was mich aber die B?cher in einem Tempo verschlingen liess, wie ich es seit dem vorletzten Harry-Potter-Band nicht mehr kannte, war die Tatsache, dass es Dan Brown wie kein zweiter schafft, die Wahrheit mit der Erfindung zu verbinden. Was Brown ?ber Statuen, G?nge, Gem?lde und Kirchen schreibt, stimmt bis ins kleinste Detail. Man kann es nachpr?fen, mit dem Roman in der Hand. Und es gibt bereits Leute, welche ihre Romreise nicht mehr mit dem Stadtf?hrer planen, sondern mit "Angels and Demons". Es ist erstaunlich, wieviel wahrheitsgetreue Information in den B?chern steckt und wie einfach es erscheint, den Leser mit verf?hrerischen Wahrheiten zu umgarnen. Dennoch, man darf nicht aus den Augen verlieren, dass zwar die Beschreibungen stimmen, jedoch die Interpretation oftmals weit neben der konventionellen Auffassung liegen. Also im Klartext: Was als Wahrheit in den B?chern steht, ist Bullshit in sch?ner Umh?llung. In "The Da Vinci Code" schreibt Dan Brown zum Beispiel ?ber die Geschichte der Templer und als ich das las, war ich richtiggehend entt?uscht. Da ich meine Maturaarbeit ?ber die Templer geschrieben habe, bin ich sowohl mit den M?rchengeschichten wie mit den historisch belegten Tatsachen vertraut. Und was Brown geschrieben hat, das geh?rt eindeutig ins Reich der M?rchen, und zwar praktisch alles davon.
Und dennoch... Diese B?nde haben durch diese unwahren Verschw?rungstheorien kaum an Charme verloren. Man f?hlt sich wieder als Kind zur?ckversetzt, wenn man ein R?tsel nach dem anderen vorgesetzt bekommt, und um die L?sung mitraten darf. Manchmal waren die Antworten dazu offensichtlich, aber einige Male war ich ganz sch?n verbl?fft.
Ausserdem, gerade weil man nicht weiss, ob das Geschriebene wahr ist oder nicht, wird man regelrecht dazu angestachelt, die Wahrheit herauszufinden. Wie oft ich in den letzten paar Tagen auf Wikipedia herumgesurft bin und unter Stichworten wie "Illuminati" und "Leonardo da Vinci" gesucht habe, kann ich nicht sagen. Es ist zudem ?beraus spannend, ?ber die St?dte zu lesen, in denen die Geschichten spielen. Paris, Rom, London, Genf... alle diese St?dte habe ich schon mindestens einmal besucht und an viele Dinge, die der Autor erw?hnt, kann ich mich noch selber erinnern. Die Engelsbr?cke, der Fonte di Trevi, der Platz vor dem Louvre.
Und was mich vielleicht sogar am meisten fasziniert hat an den B?chern, das ist die Wahl der Themen. Religion - in "Angels and Demons" wird die Frage nach der Wichtigkeit zwischen Religion und der Wissenschaft gestellt und in "The Da Vinci Code" wird die Grundlage des Christentums neu aufgerollt, Abspaltungen von der katholischen und protestantischen Kirche werden gezeigt.

Wer sich also gerne auf ein rasantes und intelligentes Leseabenteuer einl?sst, sich etwas f?r Religion und Kunst interessiert und doch den Blick f?r die Realit?t nicht leicht verliert, f?r den sind diese B?cher gerade das Richtige. Vielleicht sollte man sie nicht gerade zu Pr?fungszeiten lesen, das k?nnte die Lernf?higkeit und vor allem die Lernzeit erheblich schm?lern...

Wer sich gerne noch mehr ?ber "The Da Vinci Code" und "Angels and Demons" oder den Autor informieren m?chte, hier ist Dan Browns gelungene Homepage: http://www.danbrown.com
Der n?chste Band in dieser Reihe um Robert Langdon ist gerade dabei, geschrieben zu werden. Wann er herauskommt, das ist noch nicht klar. Dan Brown hat aber bekannt gegeben, dass er in Washington D.C. handeln wird. Ich vermute, dass es dieses Mal um die Freimaurer geht, eine weitere Geheimbundschaft, der angeblich einige der ersten Pr?sidenten angeh?rt haben sollen.
Ein weiterer kleiner Tipp: Lest doch die B?cher auf Englisch, sie sind wunderbar fl?ssig geschrieben und einfach geschrieben. Einige Spr?che und Wendungen sind zudem nur halb so lustig auf Deutsch.

"The Da Vinci Code" wird ?brigens verfilmt. Die Dreharbeiten begannen diesen Sommer und in den Haupt- und Nebenrollen begegnet man vielen bekannten Namen und Gesichtern... Ich war recht verbl?fft ?ber die Besetzung. Hier der Link zur Verfilmung von "The Da Vinci Code".
Nun, jetzt habt ihr noch Zeit, euch eure eigenen Bilder im Kopf zu machen, bevor der Film herauskommt. Husch, husch, lauft in den B?cherladen...
25.10.05 21:27


Oscar Wilde's The Picture of Dorian Gray

Nun, wie nur einige Stunden zuvor versprochen, mache ich mein Vorhaben zur Realit?t und baue mir mein eigenes, kleines Literatur-St?bchen auf. Ich werde hier kurze Reviews ?ber B?cher und Texte schreiben, die ich gerade gelesen habe und meine eigenen Kommentare aufschreiben.
Es w?rde mich freuen, vielleicht auch Meinungen von anderen Leuten zu h?ren und ich w?re auch gl?cklich, Tipps zu zuk?nftiger Lekt?re zu erhalten. Ich mochte B?cher schon immer und lesen und schreiben hat f?r mich einfach eine besondere Faszination... Mal schauen, was draus wird.

Ich beginne hier mit einem Klassiker, doch habe ich auch vor, Trivialliteratur - vor allem Fantasy und Science-Fiction - dranzunehmen. Ich mag viele Sparten in der Literatur und ich habe auch hier nicht vor, mich auf eine Richtung zu beschr?nken.

Das erste Buch ist, was wahrscheinlich meine n?here Umgebung nicht sehr ?berrascht, "The Picture of Dorian Gray" (dt. "Das Bildnis des Dorian Gray") von Oscar Wilde. Wer bereits ein bisschen auf meiner neuen Zusatzseite "Texte, Quotes, Gedichte..." rumgeschm?kert hat, der weiss, dass ich eine besondere Vorliebe f?r seine Texte habe.

Wilde hat einen einmaligen Schreibstil, den man sofort wiedererkennt, wenn man einmal etwas von ihm gelesen hat. "The Picture of Dorian Gray" ist sein einziger Roman, denn eigentlich war Wilde ein Theaterautor und man merkt es diesem Buch sofort an, wie wichtig die Dialoge darin sind. Die Aussagen darin sind ?usserst provokativ, und doch klingen sie irgendwie wahr. Es ist merkw?rdig, dass man manchmal aus einigen Charakteren die Meinung und Theorien von Oscar Wilde selber heraush?rt, was das Buch aber auf keinen Fall schlecht macht. Vor allem Lord Henry spricht h?ufig mit Wildes Stimme.
Lord Henry ist es, der den jungen, wundersch?nen und unschuldigen Dorian Gray beeinflusst und ihm neue Gedanken von Sch?nheit, Jugend und den Sinnesgen?ssen einfl?sst. Dorian Gray fleht darauf das eben erst fertig gemalte Portrait von ihm selbst an, an seiner Statt alt zu werden. Auf unerkl?rliche Weise geht der Wunsch in Erf?llung und das Bild ver?ndert sich, altert und zeigt die Zeichen der S?nden, die Dorian begeht, w?hrend er selbst jung und sch?n bleibt. Er verwickelt sich immer mehr in seine Exzesse und Schandtaten, und dennoch bleibt er ausserordentlich sch?n und wird trotz allem in der viktorianischen Londoner High Society akzeptiert, obwohl man von seinen S?nden weiss.
Wie tief dieses Urteilen nach dem ?usseren geht, zeigt das Zitat von Lady Narborough: "You are made to be good?you look so good."

Wie die Geschichte endet, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, damit w?re ja alle Spannung zerst?rt...

Ich finde es erstaunlich, wie genau Wilde seine Umgebung beobachtet haben muss, um in der Lage zu sein, die Gesellschaft so zu parodieren, dass es den Leser schockiert, jedoch gen?gend Wahrheit besitzt, um das Gelesene nicht einfach als Unsinn abzustempeln.
Und es ist beinahe erschreckend zu sehen, wie modern und aktuell die Themen noch immer sind, die Wilde anspricht, obwohl das Buch 1890 publiziert wurde und in einer v?llig anderen Zeit und Umgebung spielt. Doch man braucht sich nur den n?chsten Kiosk und die dort ausgestellten Magazine anzusehen um zu begreifen, dass auch heute noch das Aussehen vor vielen anderen Dingen an vorderster Stelle steht. Ist es nicht eine schockierende Vorstellung, tief im Innern h?sslich und entstellt zu sein durch Untaten, w?hrend man hingegen gegen Aussen sozusagen einen Blanko-Scheck besitzt und man einem die Verbrechen nie ansehen wird? Dass man noch immer angesehen ist, einzig und allein, weil man jung und sch?n ist?

Die Themen sind zwar aktuell, aber das Buch w?rde nur halb so stark wirken, wenn es in der modernen Zeit spielen w?rde. Die Leute heutzutage sind nicht mehr ganz so einfach zu emp?ren wie damals. Die Klassenverh?ltnisse sind nicht mehr ganz so ausgepr?gt, man versucht heute im Grossen und Ganzen, den Snob in sich zu verstecken, anstatt ihn zu f?ttern und zu propagieren.
Oscar Wilde wurde damals wegen Homosexualit?t (die auch in seinem Buch angesprochen wird und damals f?r Aufsehen sorgte) zu Zwangsarbeit verurteilt, was ihn schlussendlich zerst?rte. Es ist ebenfalls erstaunlich, dass das Buch bis zu einem gewissen Mass beinahe hellseherischen Charakter besitzt, da es Wildes Schicksal grob voraussieht, so wie es sp?ter geschehen war.

Es ist verf?hrerisch, sich einfach von Lord Henrys Theorien einwickeln zu lassen und sich ein Leben vorzustellen, dass aus so simplen, reichen, jedoch absolut r?cksichtslosen Prinzipien besteht.
Schlussendlich ist aber das Buch kein moralisch erhobener Zeigefinger f?r die irregeleitete Gesellschaft, denn es steckt zuviel Herzblut in den anscheinend "falschen" Theorien von Lord Henry, als dass Oscar Wilde seine Umgebung oder das Menschengeschlecht h?tte erziehen wollen. Am Schluss ist unklar, wie ?berhaupt der Autor genau ?ber die angesprochenen Themen denkt und l?sst dem Leser jede Entscheidung ?berlassen. Ganz nach dem Motto: "There is no such thing as a moral or an immoral book. Books are well written, or badly written. That is all."

(Weiterf?hrende Links: Auf Englisch - Sparknotes
Auf Deutsch - Kulturschock.de )
4.7.05 23:41





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